Karatestile

Karate ist eine Kampfkunst, die auf sehr alten Traditionen basiert. Häufig werden die unterschiedlichen Stilrichtungen von Karate mit den Ästen eines sehr alten Baumes verglichen. Keiner dieser Äste ist genau gleich, doch haben alle den gleichen Stamm. Ebenso wie alle Stilrichtungen des Karates auf die gleiche Basis zurückzuführen sind. Viele Karatestile unterscheiden sich zudem nur minimal von anderen und werden eigentlich nur als eigener Stil geführt, weil irgend ein Karategroßmeister sein eigenes Süppchen gebraut hat. Heute beschränkt man sich in der Regel beim japanischen Karate auf vier große Stile.

In deutschen Do-Jos ist der Shotokan-Stil am weitesten verbreitet. Dieser Stil erfordert einen tiefen Stand, der kraftvolle und dynamische Bewegungen ermöglicht. In erster Linie wird der tiefe Stand im Rahmen der Grundübungen des Kihon, der Kata und des Kumite trainiert. Dabei werden Muskulatur und Bänder kontinuierlich gedehnt, um im Kampf eine größere Reichweite erzielen zu können. Denn für diesen Stil ist es charakteristisch im Kampf eine möglichst weite Distanz zum Gegner zu wahren, obwohl auch der Nahkampf natürlich eine Rolle spielt. Alle Techniken des Shotokan-Stiles können sowohl als Verteidigung, als auch zum Angriff eingesetzt werden.

Ein anderer relativ bekannter Stil heisst Göjü-Ryü und hat eine sehr weit zurückreichende Tradition. Dieser Stil beinhaltet viele Elemente des traditionellen chinesischen Boxens. Der Göjü-Ryü Stil zeichnet sich durch den Wechsel von harten Schlägen und Tritten und vermeintlich weichen Aktionen wie Würge- und Haltegriffe, Würfe, Arm- und Beinhebel. Hier wird nicht nur auf Distanz, sondern auch auf Nah- und Bodenkampf Wert gelegt. Dynamische, kreisförmige Bewegungen und ein stabiler Stand sind Grundvoraussetzungen der Kata des Göjü-Ryü.

Doch für welchen Stil man sich auch beim Karate entscheiden mag, so sollte man den Grundgedanken des traditionellen Karate nicht aus den Augen verlieren. Diese Kampfkunst entwickelte sich, wie wohl die meisten anderen Kampfsportarten auch, aus einem gewissen Schutzbedürfnis des Menschen heraus. Es soll grundsätzlich der Verteidigung des eigenen Körpers dienen, was einen Angriff aus den richtigen Beweggründen heraus natürlich nicht ausschließt. Es geht hier allerdings weniger darum einen Gegner unter allen Umständen „fertig“ zu machen, sondern soll nur die Gefahrensituation entschärfen.

Daher sind die Prinzipien und Trainingsformen, aus welchem Karatestil auch immer, als Mittel zum Schutz vor Räubern, Schlägern oder anderen aggressiven Elementen zu sehen. Also zum Schutz vor möglichen Angriffen durch Dritte im Alltag, nicht aber als ein Mittel zum Zweck. Wer Karate in seiner Vollendung erlernen möchte, sollte nicht mit der Einstellung ans Werk gehen, dass er nun seinen Widersachern an den Kragen gehen kann. Aus der Grundeinstellung des traditionellen Kampfsportes heraus, ist Karate eigentlich auch nicht für Wettkämpfe vorgesehen, obwohl diese natürlich aus dem sportlichen Geschehen heutzutage nicht mehr weg zu denken sind.

Viel mehr galt Karate von jeher als eine Kampfkunst, bei der es darauf ankommt, den eigenen Charakter zu schulen und Verständnis auch für seine Gegner zu finden. Einen guten Do-Jo erkennt man auch heute noch an dem Grundsatz, den Karateschüler nicht zu einer Kampfmaschine trainieren zu wollen, sondern ihm die Möglichkeit zur geistigen Weiterentwicklung nahe zu bringen. Denn ein Kampf macht nur dann einen Sinn, wenn es um eine ehrenvolle Sache geht.