Training

Bis zum Karate-Champ ist es ein langer Weg

Zu Zeiten der Bruce Lee-Filme konnten sich die Karate- Schulen vor neuen Mitgliedern kaum retten. Jeder wollte am liebsten von heute auf morgen der neue Karate-Champ sein.

Die Realität sieht allerdings ein wenig anders aus. Es ist ein harter und langer Weg bis zu einem guten Karate-Kämpfer in einem Karateanzug. Auch das Wort „Schmerz“ gehört beim Karate zum Alltag. Was nicht heißen soll, dass beim Karate- Training zugeschlagen wird, das ist verboten. Jedoch im Randori, einem leichten angedeuteten Zweikampf kommt es zwangsläufig zu gegenseitigen Kontakten der Arme und Beine. Das verläuft nicht immer schmerzfrei und verursacht so manche Beule und ein leichtes knacken in den Zehen, wenn der Tritt nicht in der optimalen Fußstellung ausgeführt wird.

Jeder Karate-Ka beginnt als Anfänger mit einem weißen Gürtel zum traditionellen weißen Karateanzug. Darunter versteht man einen Karateanzug bestehend aus einer dreiviertel langen Hose mit einer Jacke. Der Stoff besteht aus einer kräftigen Baumwolle und ist am Revers verstärkt. Geschnürt wird die Jacke mit einem Karategürtel. Je nach Ausbildungsstand erhält der Karate-Schüler einen farblich abgestimmten Gürtel zu seinem Karateanzug. Der Anfängergürtel ist immer weiß, die nächste Stufe ist der Gelbgurt und setzt sich dann fort in orange, grün, blau, braun und schwarz. Schwarz ist der Meistergurt, danach kommen nur noch Dan-Stufen. 1 bis 10. Dan. DEr 10. Dan ist für Europäer unerreichbar, besitzen nur Asiaten und Mönche die den ganzen Tag trainieren diesen 10. Dan.

Wie startet man als Anfänger in einem Karate- Kurs? Der schulische Ablauf ist im Prinzip überall gleich. Es gibt nur verschieden Karateformen. In einer Karateschule findet das Training auf Matten statt. Andere Trainingseinheiten werden vielfach in der Sporthalle einer Schule abgehalten. Der Unterschied macht sich schnell an den Füßen bemerkbar. Auf dem Parkettboden einer Turnhalle neigen die einstigen Marzipanfüße schnell zur Blasenbildung. Zu Beginn findet erst einmal die Aufwärmphase statt, die es schon für einen ungeübten Sportler zur Belastungsprobe werden lässt.

Die trickreichen Konditionsideen des Lehrers reichen von Liegestütz bis hin zum Entengang um die Halle (im Innenbereich). Danach sind die Bruce Lee- Aspiranten schon meist platt und schnappen nach Luft, wie ein Karpfen. Nun kann der Beginn unterschiedlich gehandhabt werden. Der Anfänger kann in die Gruppe integriert werden, oder er lernt die nächste Zeit im Alleingang Tritte und Schläge. Wenn das einigermaßen sitzt, finden Gruppenübungen in der Tritt- und Schlagtechnik statt. Bevor das Training beginnt, findet noch aus Respekt vor einander das Grußritual statt. Die Aufwärmphase ist sehr wichtig, da durch die Schnelligkeit der Bewegungen im kalten Zustand schnell Zerrungen zum Trainingsstopp führen können.

Ist der Schüler so weit, dass er schon recht ordentlich einige Karate- Tritte und Schläge beherrscht, wird er mit der Gruppe untereinander leichte Tritt- und Schlagkombinationen üben. Die Gruppe setzt sich zusammen aus unterschiedlich ausgebildeten Schülern, welche alle den entsprechenden Gurt zu ihrem Karateanzug tragen. Das ganze Programm steigert sich dann mit der Zeit bis zu einem Zweikampf oder Gruppenkampf untereinander. Die Gruppe wird dazu aufgeteilt in zwei Gruppen, die gegeneinander kämpfen.

Zum Ende des Unterrichts kann auch mit einer Kata abgeschlossen werden. Eine Kata setzt sich zusammen aus den erlernten Techniken in Verbindung mit der richtigen Atmung. Die Schläge und Tritte basieren nicht auf Kraft, sondern hauptsächlich auf Schnelligkeit und hierfür ist die richtige Atmung sehr wichtig. Deutlich sichtbar wird die Atemtechnik beim durchschlagen einer Holzplatte mit der Faust. Bei falscher Atmung lässt sich das Holz nicht zersplittern. Die Kata-Technik beim Karate ist für jeden zu erreichenden Gürtel vorgeschrieben. Erst wenn der Schüler die Kata für den nächsten Gürtel optimal beherrscht und es bei einer Prüfung vorweisen kann, hat er die Prüfung für den nächst höheren Gürtel erreicht, bestanden und kann seinen Karateanzug damit schmücken.